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reiner heidorn

german artist, living next to munich, bavaria, born 1966

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Wie all die behämmerten Amateure systematisch den Kunstmarkt ruiniert haben:
 
In den 80er und 90er, als der Printbereich noch eine realistische, wettbewerbsfähige Institution war, streuten Veranstalter ihre teuer gedruckten Flyer. Da wurde mit Mikrofilmen gearbeitet, auf Styroportafeln blasenfrei aufgezogen, Fahrradkuriere mit Rucksäcken und Papprollen lieferten Daten von hart arbeitenden Graphikern leibhaftig von Agenturen zu Druckereien.
 
Man spürte am Gewicht, an der Papierwahl, am geschickten Layout und dem Format: Hier ist eine künstlerische Aktion am Laufen. Galerien oder Kunstvereine, Museen oder Anwaltskanzleien luden gezielt ein. Der Abend ging vonstatten, Kunstwissenschaftler oder –historiker hielten eine erläuternde Rede, ein kunstversierter Journalist schrieb eine niveauvolle Kritik, ein Fotograf lichtete den Künstler ab. Wenige Tage später erschien in der Zeitung unter Kultur der Artikel, und wieder wusste man: Das war eine kulturelle Veranstaltung.
 
Heute: Vier bescheuerte Frauen und ein Mann in Buddelei Klamotten treffen sich jeden Dienstag im ausgebauten Hobbykeller des Mannes, malen, erforschen Farbwelten und bringen so nach einigen Dienstagen und vielen Flaschen Rotwein allmählich eine Ansammlung von völlig bescheuerten, deprimierenden, miserablen Leinwänden, Aquarellen, Zeichnungen und wenn man Pech hat, auch Skulpturen zustande. Die vier bescheuerten Frauen und der Mann finden aber alles super und wollen ausstellen. Sie finden einen leerstehenden Laden, der ihnen günstig zur Verfügung gestellt wird, lassen für 16,- Euro 500 komplett beschissene Powerpoint-Kotz-Flyer drucken, eröffnen, posieren für ein Foto, der Redner ist ein ungebildeter Freund und Versicherungsmakler der fünf Amateure und lobhudeld alles irgendwie zurecht, dann loben und hudeln die fünf Amateure noch gegenseitig und untereinander hin und her, vor und zurück, eine Praktikantin von der Zeitung (die auch selbst das Foto schießt) notiert fleißig. Wenige Tage später findet sich ein Artikel in der Zeitung mit meist demselben Grundton: „Blick für das Wesentliche…Weiß die Farben einzusetzen…schafft Traumwelten“ – und man weiß: Hier ist alles völlig am Arsch.
 
Was den Kunstmarkt betrifft: Professionelle Künstler konnten für ihre niveauvollen und kulturell relevanten Werke einige tausend Mark verlangen, niemand hatte dagegen etwas einzuwenden. Heute wurde aus den vier behämmerten Frauen und dem unsäglichen Mann eine Künstlervereinigung von knapp 100 behämmerten Dilettanten, die ihre Bilder im großen Stil flächendeckend ausstellen, anbieten und natürlich für 100,- oder 200,- Euro verscheppern; somit sind regional sämtliche Optionen in Notarbüros, Anwaltskanzleien und Augenärzten grässlich bestückt.
 
Der professionelle Künstler kann einpacken, er wird außer einem höhnischen Lachen bei der Erwähnung seiner Preisklasse nichts bewirken. Aber es häufen sich die Angebote, die Werke kostenfrei an entsprechenden Stellen auszustellen und als Gegenleistung ein Namensschild mit Kontaktdaten als Werbung anzubringen – natürlich bei freier Lieferung für den Besitzer der Ausstellungsfläche.
 
So haben die völlig behämmerten Amateure den Profis und auch den professionellen Galerien den Markt völlig ruiniert.
 
Reiner Heidorn

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